Ein Raum,
in dem alles erlaubt ist

Von Samarpan

Samarpan Sam Golden im Gespräch

Ich bin bereit, nicht zu wissen 

Wir müssen bereit sein, nicht zu wissen. Wenn ich nichts weiß, dann bin ich vollkommen offen für das, was ist. Das Wissen ist ein Hindernis, es steht uns im Weg. Es kommt darauf an, empfänglich zu sein, völlig empfänglich. »Nicht zu wissen ist das Intimste«, sagte Osho – und das ist absolut wahr.

Mit dem Verstand tue ich gar nichts. Der Verstand existiert nicht, er besitzt keine existentielle Grundlage. Wenn wir das erkennen, kämpfen wir nicht mehr mit den Gedanken. Wir schenken ihnen keine Aufmerksamkeit mehr. Wenn sich also etwas ereignet, das nicht unsere Zustimmung findet, sagen wir uns: »Gut, ich bin bereit, das zu fühlen. Ich weiß nicht, warum das jetzt so ist, aber ich bin bereit.« Es geht also ausschließ­lich um die gegenwärtige Erfahrung, und wenn man dieser Erfahrung keine Bedeutung beimisst, ist sie auch nicht »schlecht«. Wenn ich bereit bin, mich zu fühlen, wie ich mich augenblicklich fühle, ohne Bewertung, ohne eine Geschichte daraus zu machen, warum ich mich gerade jetzt nicht so fühlen sollte, geschieht Frieden. Ganz von selbst, ganz natürlich. Mehr ist nicht nötig!

 

Gerechtigkeit

Gerecht ist, nach Auffassung unseres Verstandes, was ich will. 

»Ich« ist weder gerecht noch ungerecht. Das Leben ist nicht gerecht. Ein Moskito lebt ein Moskitoleben, und der Reiche segelt auf einer Yacht. Ist das gerecht? Gerecht ist, dass jeder von uns genau so sein muss, wie er ist. Das ist die Gerechtigkeit. Diese Gerechtigkeit ist nicht offensichtlich – man muss sehr still werden, um sie zu erkennen! Es gibt eine Vollkommenheit, die allen Dingen innewohnt. Ganz gleich, was das Leben mir gerade zeigt, es ist das, was mir dient und was so geschehen soll. Das ist wahre Gerechtigkeit.

 

Ein Raum, in dem alles erlaubt ist 

Die Menschen fühlen sich zu Satsang hingezogen, denn hier gibt es diesen Raum, in dem alles erlaubt ist. Jeder ist willkommen, so wie er ist. Das ist es, was wir schon immer wollten. Wir wollten, dass unsere Eltern uns akzeptieren und lieben, so wie wir sind. In unserer Gesellschaft kommt dies kaum vor. Eine Atmosphäre von Liebe, Akzeptanz und Frieden und die Erlaubnis, einfach nur zu sein, ist also enorm wertvoll. Das ist bedingungslose Liebe! Das ist das Göttliche, und es spricht zu unserer Seele.

Durch Satsang wird die Last eines jeden leichter. Satsang ist wie eine Quelle, die Karma absorbiert und alles müheloser macht. Das ermöglicht den Menschen, sich zu entspannen und zu wissen, dass alles in Ordnung ist. Und das trägt: Die Menschen nehmen das in ihren Alltag mit.

Und es ist nicht »mein« Satsang. Ich bin wie ein Bambusrohr. Ich bin »Oshos Bambus«. Der Bambus ist ein wunderbares Bild, denn er ist innen hohl – er ist leer. Er lässt zu, dass etwas ungehindert durch ihn hindurchfließt. 

 

Dasein ohne Ego

Wenn da niemand ist, wenn da kein Ego im Weg ist, kann Gott sich entfalten. Das ist unsere Natur, unsere Essenz. Ohne Ego fließt das Göttliche durch uns. Das ist bei jedem so, nicht nur bei jemand namens Samarpan. 

Das Ego möchte natürlich jemand sein. Dabei ist es ihm gleichgültig, ob es sich um einen schlechten oder einen guten Jemand handelt, solange es überhaupt jemand sein kann. Das Ego jagt nach Problemen, denn wenn alles perfekt ist und man sich keine Sorgen machen muss, hat das Ego keinen Job mehr. Dann ist es arbeitslos. Also möchte es jemand sein, diese Programmierung möchte eine Wesenheit sein. Ein unbeschäftigtes Ego aber ist nicht mehr existent.

 

Auszüge aus einem Gespräch mit Samar­pan im Juli 2014

 

www.samarpan.de


Samarpan Golden

Samarpan Sam Golden, geb. 1941 in San Francisco. Nach dem Priesterseminar, einem Psychologiestudium und diversen Jobs traf er 1981 auf Osho. Nach Oshos Tod, in einem Seminar mit Gangaji, erkannte er, dass niemand da ist – kein Ich, keine Person. Seit 1998 gibt er Satsang und lebt heute mit seiner Frau in der Nähe von Frankfurt am Main. info@samarpan.de