Die Machtlosigkeit
                 des Selbst

Von Muni

Gemälde Muni

Reines Gewahrsein bedeutet, einfach nur zu sehen, was ist. Das ist die Qualität von Bewusstheit: sich dessen bewusst sein, was ist. Dazu braucht es eine Art der Wahrnehmung, die keinerlei emotionale oder gedankliche Färbung hat und nicht das, was gesehen wird oder gewusst wird, anders haben will, als es ist. 


Ungefärbte Qualität

Es ist diese ungefärbte Qualität ohne Name und Form, die du bist. Du bist nicht das, was alles interpretiert und in Vorstellungen umwandelt, die das wahre Leben überdecken. Wie geht es dir denn ohne das alles? Ohne diese Idee von dir, dass du jemand bist, der irgendwie ist, irgendwas hat, oder irgendwas braucht? Was ist ohne Name, Form und ohne deine Vorstellungen? Wer bist du ohne dies? Ist dann wirklich nichts mehr da? Oder ist dann sichtbar, was immer ist und nicht vergehen kann und das dann auch Name und Form haben kann? Wenn sich dir das augenblicklich enthüllt, dann bist du und weißt. 


Streben nach dem Absoluten

Wenn in dir die Sehnsucht nach deiner wahren Natur angelegt ist, wirst du dich möglicherweise für das begeistern und engagieren, was jenseits von Name und Form ist, und nicht mehr für das, was du nicht bist. Dieses relative Bewusstsein, das wir nicht sind, strebt dann nach dem Absoluten. Zu diesem Streben gehört natürlich noch eine Idee von Tren­nung, denn da ist ja noch ein Aspekt, der nach etwas strebt, was nie getrennt von ihm ist. Diese Idee von Trennung gilt es zu durchschauen und sie zu überwinden. 

Was diesen Wunsch nach Freiheit hat und Handlungen ausführt, ist das begrenzte Bewusstsein. Nur was sich als begrenzt erfährt, strebt nach dem, was die Begrenzung aufhebt – und das ist die Unbegrenztheit unserer Natur, die Fülle selbst.


Bewusstheit ist Freiheit

Die Bewusstheit selbst unternimmt keinerlei Anstrengung für Freiheit. Das kann sie nicht und muss sie auch nicht, ist sie doch die Freiheit selbst. Die Sehnsucht selbst ist Hinweis genug, dass es etwas gibt, das sie erfüllt. 

Also müssen wir erkennen, wer wir sind. Erkennen wir unsere wahre Natur, stillt das unsere Sehnsucht, und dann wissen wir auch, dass wir nicht im Spiel sind, sondern lediglich das bewusste Betrachten davon, und dann verliert das Bewusstsein die Lust da­ran, sich mit einer illusorischen, leidvollen Trennung zu identifizieren. Wir selbst können uns überhaupt nicht identifizieren – wir sind in dieser Form das reine Gewahrsein. Wir sind nicht der Ausdruck – wir drücken gar nichts aus –, das ist Sache des Bewusstseins.


Bleibe im Schauen!

Erkennst du dich als dieses eine, eigenschafts­lose unveränderliche Selbst, weißt du auch, dass du dies schon immer warst, niemals auch nur irgendeine Handlung ausgeführt hast, sondern dein Tun einfach nur das absichtslose Auf- und Abtauchen von Energie im eigenschaftslosen Ozean ist – es ist niemals persönlich, aber immer wieder gerne vom Bewusstsein so interpretiert.

In der Erkenntnis der Absichtslosigkeit selbst enthüllte sich mir das Wissen, dass es keinen freien Willen gibt. Freier Wille bedeutet die Freiheit vom Willen!

Also verliere dich nicht in Name und Form, sondern bleibe im Schauen dessen, was ohne Veränderung ist, denn das ist das Einzige, was ist – außer dem gibt es nichts.

Wenn sich dann, in einem wirklich besonderen Moment, gnaden-durchtränkt das Sys­tem die Frage stellt: »Wer ist der Seher? Wer sieht?«, und dann einfach nur »gesehen« wird, ist selbst das gewöhnliche Sehen und Denken keine Ablenkung mehr. Dann bist du versunken in dich »selbst«, bist als Selbst in dieser Form. Das ist dann die bewusste Identität mit dem, was du bist. 

Die Folge davon sind Frieden, Bewusstheit, Liebe und ein Einverständnis mit allem, was ist. Es geschieht ein selbstverständliches Anerkennen dieser Freiheit, und es ist unmöglich, das Leben anders zu wollen, als es ist.


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Muni M. Weber

Muni M. Weber, »geboren« in Marburg, kurzes Studium von Theol. und Französisch. Selbstst. Werbe- und Mode­fotograf, Schulleiter einer Nachhilfeschule. Seit 1994 parallel als Heiler, Coach und Seminarleiter tätig. 1996 unbeabsichtigtes Auf­wachen bei Samarpan. Begegnungen mit Papaji, Raphael. Seit 2005 gibt er Satsang.
muni@muni-satsang.de