Der Witz,
      den wir Ich nennen

Von OWK Edgar Hofer

Edgar Hofer in Rishikesh
Edgar in Rishikesh am Oberlauf des Ganges

Meine spirituelle Neugier begann als Kind, als ich aus Langeweile beschlos­sen hatte, mich nicht mehr zu bewegen. Plötzlich verschwand meine Körperwahrnehmung, und »ich« blieb als Bewusstsein übrig. Damit spielte ich oft, aber ab 15 waren Mädels und Computer dann doch interessanter.


War das schon alles?

Zwei Ehen, zwei tolle Töchter, eine lukrative Programmiererkarriere und zwanzig Jahre später: Wohnung, Auto, Arbeiten, Sport und Sex – das soll alles gewesen sein? Was ist da noch? Nach meiner zweiten Scheidung war ich reif für den Ausstieg. Ich verschenkte und verkaufte mein Hab und Gut und packte den Rest in einen Rucksack. Dann ab nach Indien. 1998 war das – ich war 35, ein Ex-Yuppie mit spirituellem Touch und tantrischen Träumen. 

Auf die Jagd nach schönerer Wohnung, größerem Auto und besserem Sex folgte die Jagd nach spirituelleren Zuständen, größeren Ekstasen, stillerer Stille. Ich reis­te durch Indien, wurde in Varanasi als Nath-Yogi initiiert, in Poona Osho-Sannyasin, auf Partys in Goa zum Trance-Tänzer und hab die Kundalini tantrisch rauchen lassen. 


Edgar, Gott und Universum

Eigentlich hätte es ewig so weiter gehen können. Eigentlich. Uneigentlich beschloss diese heilige Energie Ende 98, mir die Wirbelsäule hoch und in den Kopf zu kriechen, und was machte sie dort? Sie knipste mich einfach aus. Peng. Energie vermählte sich glückselig mit dem, was gerade vorher noch Ich war, und schaltete kurzerhand nicht nur das Denken, sondern gleich auch den ganzen Denker ab. 

Statt Edgar war ich nun plötzlich Gott, das ganze Universum, alles, was ist und jemals war und sein wird. Das Universum als lebendiges Wesen, reine Energie, manifest und transzendent zugleich. 

Es gab also mich, und sonst gab es nichts. Und auch dieses Nichts war ich, ein bewuss­tes Nichts. Und als »Ich« zurückkam in diesen Traum, den wir »Welt« nennen, war da nur mehr ein ewig langes Lachen über diesen Witz, den wir Ich nennen. Ein Witz, dessen Pointe man plötzlich versteht.


»Cool, bin erleuchtet«

Edgar beugte sich den Sternen am Himmel, wunderte sich, dass das Leben weiterging, und notierte in seinem Tagebuch: »Cool, bin erleuchtet«. Und freute sich auf den Rest des Lebens als eine Art Feierabend und Zugabe. Damals wusste er noch nicht, dass das erst der Anfang war.

Natürlich war da nicht jemand erleuchtet worden, sondern es wurde einfach nur erkannt, dass »alles schon immer erleuchtet ist« und gar kein Bedarf nach Erleuchtung besteht. Dass es keine von Gott getrennten Wesen gibt, dass du, ich und wir alle das eine selbe Selbst sind. Nicht das Ganze besteht aus Teilen, sondern in jedem Teil steckt das Ganze. In jedem Tropfen der ganze Ozean.


Landung und Integration

Die persönliche Geschichte ging übrigens weiter, aber das ist eine andere Geschichte. Jene der Landung, des Zurückkommens, der Transformation und Integration. Eine Geschichte über Fegefeuer, Phönix aus der Asche und das Erwachen aus der Erleuchtung. Nath-Yogis nennen das »Param-Advaita«. Die völlige und freiwillige Auferstehung des ganz normalen Menschseins, personal und transpersonal gleichzeitig. Was bleibt, ist: einfache Zufriedenheit, stille Präsenz, Weisheit aus dem Nichtwissen. Noch viel mehr und noch viel weniger.

Seit dem Jahr 2000 schreibe ich Bücher zum Thema und begleite Menschen bei der Integration solcher Erfahrungen. Von La Gomera aus gebe ich Satsangs und Einzelsitzungen per Internet, habe also meine Affinität zu Computern behalten. Zehn Jahre lang leitete ich auch mehrere von mir gegründete Internetforen zum Thema Advaita & Satsang. Und manche Sommer reise ich herum, gebe Satsangs und Kundalini-Tantra-Seminare und nehme als Vortragender an Kongressen teil.


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OWK Edgar Hofer

OWK Edgar Hofer, Jg. 63, Satsang- und Tantralehrer, ist Autor von Büchern zum Thema Erleuchtung und Kundalini. 1998 erfuhr er während einer Indienreise eine tiefgehende Transfor­mation, Selbstauflösung und Selbstfindung. Er lebt auf La Gomera und gibt Onlinesatsangs und Einzel­sitzungen via Internet sowie vor Ort.

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