Die Advaita-Bewegung

Seit ein paar Jahrzehnten hat in den westlichen Ländern eine Bewegung Fuß gefasst, die auf die indischen Mystiker Ramana Maharshi (1879-1950), Osho (1931-1990) und Poonja (1910-1997) zurückgeht, aber viel tiefere Wurzeln hat, die in der Jahrtausende alten indischen Mystik liegen und der Mystik aller Weltkulturen. Sie nennt sich Advaita-Bewegung oder Satsang-Bewegung und behauptet, der Mensch könne alles das, was er zum Lebensglück braucht, in sich finden.

Als Methode wird die self enquiry empfohlen, die Selbsterforschung. Sie kann durch die Frage »Wer bin ich?« geschehen, die der einzelne sich stellt, aber auch durch stille Meditation, Satsang (Verweilen im Bewusstseinsfeld eines Erwachten) und durch Achtsamkeit im Alltag, die immer wieder darauf gelenkt wird, ob es da jemandem gibt, der dies alles erlebt und beobachtet, oder nur das Erleben selbst.

Fast alle in dieser Bewegung sind davon überzeugt, dass ein »Erwachen« genanntes Ereignis das Leben eines Menschen zutiefst verändern kann und es zweiteilt in ein Davor und Danach. Davor ist das konventionelle Leben, wie die Gesellschaft es uns als wirklich vorgaukelt. Sie hat uns darauf geprägt, all das zu glauben, was auch alle anderen glauben, so wie in Andersens Märchen »Des Kaisers neue Kleider«, wo alle glauben, er trage neue, prunkvolle Kleider, in Wirklichkeit aber ist er nackt, und es genügt das Lachen eines Kindes, um das aufzudecken. Es genügt ein einziger tiefer Blick, der frei ist von allem, was uns je irgendwer hat glauben machen, und die Wirklichkeit enthüllt sich als das, was sie ist: als ewige Gegenwart, in der wir schon immer waren und immer sein werden. Wir sind verbunden mit allem, was da ist, je da war und da sein wird, eingebettet in unsere Umgebung, darin geborgen und mit ihr eins.

Die tiefe Erfahrung der Einheit geschieht jedoch nicht von allein. Sie wird ausgelöst durch Umstände wie etwa eine Lebenskrise oder den Unterricht eines Lehrers – eines Advaita-, Satsang- oder Weisheitslehrers, der zwar genau genommen nichts dazu tun kann, dass es geschieht, aber durch seine Präsenz dennoch diese Einsicht auslösen kann. Wem ein solches Erwachen geschieht, der empfindet das meist als Gnade.

Die Zeitschrift Connection Spirit hat sich mit ihrer Ausgabe 9-10/2014 dieser Bewegung gewidmet und sie in ihrem Schwerpunkt auf 56 Seiten dargestellt, mit Artikeln von Insidern und kompetenten Outsidern sowie 22 Selbstportraits von Weisheitslehrern, die sich dieser Bewegung zugehörig fühlen oder ihr nahe stehen. Die meisten dieser Portraits findet ihr hier auf dieser Webseite. Wir werden sie laufend aktualisieren und um weitere ergänzen.

Die Redaktion